Mittwoch, 9. Dezember 2015

Rezension | Die Macht der Seelen - Misty Falls

Joss Stirling | Band 4 von (mindestens) 6 | dtv | 16,95€ | OT: Misty Falls | Juli 2015 | 400 Seiten | Meine Wertung: 4/5

Misty Falls ist eine Savant und hat somit eine ganz besondere Gabe - allerdings eine höchst zweischneidige: Sie muss immer die Wahrheit sagen, was schon zu vielen peinlichen Situationen geführt hat. Und dann trifft sie ihr Gegenstück: Alex. Mistys und Alex' Begabungen scheinen sich abzustoßen. Und doch fühlen sie sich auf seltsame Weise zueinander hingezogen. Sind die beiden etwa Seelenspiegel?

 
»Wenn es eine Misty-Katastrophenskala von eins bis zehn gäbe - wo würdest du es dann einstufen?« , fragte Summer mich.

Das Cover gefällt mir sehr gut, die Farben, Lichtpunkte und verschnörkelten Einzelheiten sind schön.

Dass Joss Stirling schreiben kann, hat sie schon in den drei Vorgängern bewiesen. Von der Savant/Seelenspiegel-Idee bin ich seit jeher fasziniert, obwohl ich sagen muss, dass sich in dem Handlungsmuster der Reihe kaum etwas ändert, sodass die Idee fast schon abgenutzt wirkt. Trotzdem haben die Bücher noch immer großen Reiz auf mich und das hat sich auch nach dem Lesen von Misty Falls bestätigt.

Während einer Reise nach Südafrika begegnet die tollpatschige Misty dem selbstbewussten, erfolgreichen Alex, der das Gegenstück von ihr zu sein scheint, weshalb Misty zunächst gar nicht darauf hofft, gut genug für ihn zu sein. Trotzdem ist eine gewisse Anziehung nicht zu leugnen...
In diesen Handlungsstrang mischt sich noch ein gefährlicherer. Denn ein Serienkiller, der es nur auf junge Savants abgesehen hat, treibt sein Unwesen.

 Der Handlungsverlauf ist gelungen, man findet sich schnell in das Geschehen ein und bekommt viel Romantik, bevor die Spannung zuschlägt. Ich hatte zwar gedacht, dass dies noch vorher passiert, aber da ich immer mit etwas überraschend Gefährlichem gerechnet habe, hat sich auch so eine aufregende Atmosphäre aufgebaut.
Die Romantik ist bei dem Thema Seelenspiegel so gut vorprogrammiert und Joss Stirling hat die Beziehung der beiden liebevoll ausgeprägt, obwohl mir die Wendung zu plötzlich kommt. Zuerst mag man sich gar nicht so richtig, dann "ach, wir sind Seelenspiegel?" und schon kann man ohne den anderen gar nicht mehr leben. Das erscheint mir nicht authentisch, ich kann aber nachvollziehen, dass es für Seelenspiegel typisch ist.
Die Handlung ist im Wesentlichen vorhersehbar, was ich schade finde, aber immerhin entsteht trotzdem ein verlockender Lesesog, sodass ich von der Story mitgerissen wurde und gespannt war, was passiert. Im Mittelteil zieht sie sich ein kleines bisschen, aber sonst ist der Lesefluss nicht beeinträchtigt. Vor allem gegen Ende wird es wirklich riskant und fesselnd und die Autorin rundet die süße Liebesgeschichte gefühlvoll ab.

 Misty finde ich schon allein durch ihre Gabe unglaublich interessant. Immer die Wahrheit sagen zu müssen, muss zu erfrischenden Erlebnissen führen. Joss Stirling setzt Mistys Gabe jedenfalls gelungen um. Mit Mistys Persönlichkeit ist es schon etwas schwieriger klarzukommen. Teilweise benimmt sie sich zickig oder unreif und macht sich dauernd schlechter, als sie ist. Außerdem zweifelt sie an Alex und sich, sodass auch Selbstmitleid vorkommt. Obwohl das Eigenschaften sind, die mich normalerweise an Protagonisten wahnsinnig stören, ist es Misty doch irgendwie gelungen, dass ich sie sympathisch finde - trotz gelegentlicher dämlicher Handlungen ihrerseits.
Ihre Gedankengänge und das, was Misty mit ihrer Gabe auslöst, sind meistens auch witzig und dass Misty auch stark und mutig sein kann, beweist sie, als sich die Handlung zuspitzt.

Alex hat mich zunächst mit seinem widersprüchlichen Verhalten verwundert, doch er hat eine liebenswürdige Persönlichkeit und die Liebesgeschichte wird dadurch wirklich süß.
Interessant finde ich diesmal auch den "Bösewicht", der eine verquere und unheimliche Denkweise hat, die verhindert, dass man alles in Schwarz und Weiß einordnet.
Die Protagonisten aus den Vorgängerbänden sind auch in Misty Falls dabei, jedoch stark untergeordnet. Uriel lernt man jedoch besser kennen, genauso wie Mistys Freundinnen, die in den nachfolgenden Bücher die Protagonisten sein werden.

Joss Stirling besitzt einen wundervollen Schreibstil, flüssig und angenehm, der es ermöglicht, in die Geschichte einzutauchen und sowohl Gefühlvolles als auch Spannendes mitzuerleben.

Misty Falls hat kleinere Schwächen, ist im Wesentlichen aber ein vollkommen gelungener Nachfolger, der Fans der Reihe sicherlich auch wieder großes Lesevergnügen bringt - so wie mir.

+ zwei E-Book Kurzgeschichten

Englisch:
Angel Dares erschien Oktober 2015
Summer Shadows erscheintJuli 2016

Kommentare:

  1. Huhu Noemi,
    Schön, dass es dir gefallen hat. Ich hab die Reihe auch sehr gern, sie bedeutet einfach immer locker leichte Unterhaltung und Spaß, auch wenn mich das mit dem ähnlichen Handlungsmuster in diesem Band glaub noch etwas mehr gestört hat, als dich. Bei mir hat das Buch deshalb nur 3 Sterne bekommen. Ich bin da aber auch manchmal echt streng :D
    Liebe Grüße,
    Celina

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    1. Das ist ja auch ein ernstzunehmender Kritikpunkt, wenn es immer und immer wieder auftritt :) Für mich hielt sich das bei "Misty Falls" noch im Rahmen, aber mal sehen, wie es beim nächsten Band ist, da würde ich auch mehr Originalität erwarten :D

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